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AUSSCHREIBUNG Dramatikerinnen-Wettbewerb „Mutterland“

AUSSCHREIBUNG

Dramatikerinnen-Wettbewerb „Mutterland“

EINREICHFRIST: 30. Juni 2014

AUSSCHREIBUNG

Auf Initiative von Regisseurin Elisabeth Augustin schreibt das KosmosTheater einen Dramatikerinnen-

Wettbewerb zum Thema „Mutterland“ aus.

Die Ausschreibung richtet sich an in Österreich geborene oder vorwiegend in Österreich lebende Autorinnen.

Pro Autorin darf maximal ein Theatertext in deutscher Sprache (auch Dialekt) eingereicht werden.

Zugelassen sind dialogische Fragmente, Szenen, Kurzstücke oder Textflächen für maximal fünf

SchauspielerInnen (bitte keine Monologe).

Der Text soll eine Spiellänge von bis zu 10 Minuten haben (ca. 15.000 Zeichen).

Der Text muss bisher unveröffentlicht und dem KosmosTheater für eine Uraufführungsserie von 3 Wochen

vorbehalten sein.

Einreichungen ab 01.03.2014 ausschließlich per Email an wettbewerb@kosmostheater.at

Das Email soll Namen, Kontaktdaten und Kurzbiographie der Autorin sowie den Titel des eingereichten

Textes beinhalten. Der Text selbst ist anonym als Anhang (Word oder PDF) beizufügen.

Einreichfrist: 30.06.2014

THEMA „MUTTERLAND“

Die Theatertexte sollen sich mit dem Thema „Mutterland“ auseinandersetzen.

Der Begriff „Mutterland“ positioniert sich als Gegenstück bzw. Gegensatz zum Vaterland und kann als

geographischer, politischer, historischer, gesellschaftlicher oder kultureller Raum verstanden werden. Ebenso

kann der Begriff sich auf einen psychologischen, generations- oder familienbedingten Erfahrungsraum

beziehen. Oder aber das Mutterland ist das individuelle, poetische, ideelle Ursprungsland neuer (weiblicher)

Ideen und Sichtweisen.

PRÄMIERUNG UND AUFFÜHRUNG

Eine Fachjury wählt die besten neun Kurzstücke aus, die im Anschluss zu einem gemeinsamen Theaterabend

montiert und am KosmosTheater zur Uraufführung gebracht werden.

Die Fachjury besteht aus Elisabeth Augustin (Konzept/Regie), Barbara Klein (Intendanz), Gabriele Kögl (Dramatikerin)

und Valerie Melichar (Dramaturgin).

Ziel ist es, sowohl die Vielfalt der Kurzstücke zu präsentieren wie auch jeden Text einzeln herauszustreichen,

um auf ein Mehr von jeder Gewinnerin neugierig zu machen.

Im Idealfall ergibt sich ein Best-of aus allen Bundesländern, das Einblick gibt in die gegenwärtige Schreibwelt

von Autorinnen in Österreich.

Die Gewinnerinnen werden zur Premiere eingeladen und im Rahmen dieser der Öffentlichkeit persönlich

vorgestellt. Jede Gewinnerin erhält ein Preisgeld von 500,- Euro (inkl. Tantiemen).

 

STATEMENTS ZUM WETTBEWERB

ELISABETH ORTH, Schauspielerin, Mentorin

Das Theater ist gefräßig, hat ständig Hunger nach guten Texten. Dramatischen! Dementsprechend

„unterernährt“ fühlen sich Schauspielerinnen, besonders alte und alt gewordene, was das Rollenangebot

betrifft. Wir geben aber die Hoffnung nicht auf. Schreibende Frauen für darstellende Frauen: ein Aufruf!

BARBARA KLEIN, Intendantin

Am Theater hat Feminismus bis dato nicht nur keinen Einzug gehalten, er ist geradezu tabuisiert.

Wird in so gut wie allen wissenschaftlichen Disziplinen mittlerweile Genderpolitik betrieben, gender

budgeting gefordert und bis in Aufsichtsräte hinein Quotenpolitik angewendet, sieht es am Theater recht

düster aus: Gut dotierte Positionen von Generalintendanten, Festspielleitern, Operndirektoren lassen die

weibliche Form dieser Berufe obsolet erscheinen – sie werden fast ausschließlich von Männern ausgeübt.

Stücke von Dramatikerinnen decken vielleicht 10 Prozent der Spielpläne ab, wobei diesbezüglich gesicherte

Zahlen ebenso wenig zur Verfügung stehen, wie Studien über die Anzahl gespielter Vorstellungen,

Nachspielmöglichkeiten nach der Uraufführung, Einkommensunterschiede zwischen Dramatikern und

Dramatikerinnen, Gatekeeper wie Theaterverlage, Rezeptionsverhalten und Öffentlichkeit, usw.

Auch inhaltlich scheint Geschlechterdifferenz auf deutschsprachigen Bühnen kein Thema zu sein. Die meisten

Dramatikerinnen meiden feministische Themen und Aspekte, ein Feld, das z.B. dem Autor/Regisseur René

Pollesch durchaus kampflos überlassen wird. Wie kommt es zu diesem Tabu, zu diesen Abspaltungen? Wie

können denn Autorinnen in ihren Stücken gesellschaftspolitisch relevante Situationen aufzeigen, ohne auf

eigene Erfahrungen und Sichtweisen zu vertrauen? Mag sein, sie möchten sich Geschlechterkategorien und

damit verbundenen Zuweisungen entziehen, aber sind diese deshalb weniger existent? Gäbe es vielleicht

größere Themenvielfalt auf unseren Bühnen, hielten die unterschiedlichsten Erfahrungen und Haltungen dort

Einzug statt dem offensichtlich männlich dominierten Kanon? Die Suche nach Antworten auf diese Fragen

sowie der Anspruch des in nahezu allen Theatern überwiegend weiblichen Publikums auf eine zeitgemäße

Theaterpraxis haben uns zur Initiative „Mutterland“ geführt.

ELISABETH AUGUSTIN, Regisseurin, Schauspielerin

Zu diesem Wettbewerb werden Dramatikerinnen aufgerufen, die vorwiegend in Österreich leben. Zwei

Fragen stehen im Mittelpunkt des Interesses: Was schreiben Autorinnen in/aus Österreich gegenwärtig für‘s

Theater? Und: Hat ihr Bezug zu Österreich Relevanz für ihr Schreiben?

Als Mensch ist die Autorin möglicherweise Weltbürgerin, als Individuum hat sie Wurzeln in einem Ort, einer

Gegend, einem Bundesland. Selbst in Österreich geboren und hier lebend, wäre ich gespannt auf einen

Blick in das dramatische „Mutterland“.

Im herkömmlichen Theater werden die Frauenrollen in die Fächer „junge Naive“, „Salondame“, „Königin“,

„Hexe“, „Hure“ und „komische Alte“ eingeteilt. Spätestens Elfriede Jelinek hat in ihren Textflächen damit

aufgeräumt: Die Schauspielerin hat gelernt, im Rampenlicht zu stehen und ausführlich über sich selbst zu

reden. Viele Autorinnen, aber auch Theatermacherinnen, haben diese Form übernommen. Yasmina Reza,

Dea Loher und andere sind dann wieder in den dramatischen Diskurs eingetreten.

Im Theater der griechischen Antike wurden alle Rollen von Männern gespielt. Noch zu Shakespeares Zeiten

wurden Frauenrollen mit Männern besetzt. Im 16. Jahrhundert gab es im deutschen Sprachraum die ersten

weiblichen Darsteller. Eine der ersten wenigen österreichischen Theaterdirektorinnen war Stella Kadmon

(1902-1989). Dramatikerinnen, Regisseurinnen, Dramaturginnen finden sich kaum vor 1950. Soweit unsere

Anfänge in Kurzform…

Seither ist einiges geschehen, dennoch ist unübersehbar, dass die Frauen im Theater unterrepräsentiert sind.

Wir brauchen daher in der Theaterlandschaft:

– Mehr Raum für die weibliche Perspektive und Sicht auf alle Dinge in Dichtung und Interpretation

– Mut zur eigenen Sprache und Anerkennung derselben

– Selbstvertrauen und Vertrauen sowohl in die eigene Kreativität als auch in die anderer Künstlerinnen

Es gibt in Österreich bemerkenswert gute Schauspielerinnen und Autorinnen. Noch müssen sie sich dem

Mangel an Aufträgen fügen. Schreiben wir eine Theatergeschichte, die vom Respekt vor den Frauen geprägt

ist, die ihre Talente nicht mehr brach liegen lässt, sondern aufgreift, fordert und fördert, eine Geschichte, die

durch nichts mehr aufzuhalten ist!

 

KONTAKT: Kathrin Blasbichler (Wettbewerbsorganisation), wettbewerb@kosmostheater.at

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